Besichtigung der NEUWERK am 21.11.06

Neuwerk
Neuwerk


(abk) Vor dem Werfttor der BREDO-Werft an der Dockstra√üe in Bremerhaven trafen sich um 16 Uhr einige Mitglieder unseres Vereins, um sich das Gew√§sserschutzschiff ‚ÄěNEUWERK‚Äú anzusehen. Dieses Schiff geh√∂rt zu der Flotte der st√§ndig einsatzbereiten Gew√§sserschutz-/ Schadstoffunfallbek√§mpfungsschiffe des Bundesministeriums f√ľr Verkehr, au√üerdem geh√∂ren noch die MELLUM und die SCHARH√ĖRN dazu.

Empfangen wurden wir von Herrn Szyslo vom WSA Brake, der uns √ľber das Dock zur NEUWERK f√ľhrte. Das Schiff lag nicht mehr im Dock, sondern war schon wieder nach einer Reparatur ins seinem angestammten Element angekommen. So konnten wir bei Tageslicht  noch die Au√üenanlagen des Schiffes in Augenschein nehmen. Das Achterdeck ist mit dicken Holzbohlen ausgelegt, die bei der Hauptaufgabe des Schiffes, dem Tonnenlegen, n√ľtzlich sind und das eigentliche Stahldeck schonen. Eine Friktionswinde mit einer Haltekraft von 200 t, eine Speicherwinde mit 35 t Zugkraft sowie 1 km Schleppdraht mit einem Durchmesser von 62 mm weisen auf den zweiten Job des Schiffes hin, n√§mlich das (Ab-)schleppen von anderen Schiffen im Notfall. Die dritte Aufgabe ist das Eisbrechen, daf√ľr ist das Schiff ebenfalls ausger√ľstet. Weiterhin hat es Feuerl√∂scheinrichtungen mit 120 m Wurfweite und 45 m Wurfh√∂he, so da√ü es auch in der Feuerbek√§mpfung eingesetzt werden kann, und die f√ľnfte Aufgabe ist die Schadstoffbek√§mpfung, zu der wir auch an anderen Stationen des Schiffes noch viel h√∂ren w√ľrden.

Zur Schadstoffbek√§mpfung verf√ľgt das Schiff √ľber zwei Aufnahmeskimmer von je 15 m L√§nge. Diese sind an beiden Seiten des Schiffes angebracht und werden im Winkel zum Schiff ausgefahren. Sie k√∂nnen dann √Ėl und andere Schadstoffe mit einer Pumpleistung von je 320 cbm/h aufnehmen und in Schadstofftanks mit insgesamt 920 cbm Fassungsverm√∂gen bunkern. Diese Tanks befinden sich unter dem Achterdeck.

Weiter ging die F√ľhrung dann ins Innere des Schiffes und zun√§chst einmal in den Maschinenleitstand und von da aus in die Maschine. Zum Gl√ľck lief sie nicht, so da√ü man den Erkl√§rungen gut folgen konnte.

Von der Maschine aus ging es dann stetig aufwärts. Wir sahen zunächst einen Schleusenbereich, in dem sich Menschen, die mit irgendetwas Schädlichem kontaminiert wurden, reinigen können, bevor sie dann ins Innere des Schiffes gelangen.

Dieses Schiff kann komplett abgeriegelt werden, so da√ü von au√üen keine Luft etc. mehr eindringen kann. Sollte es sich in toxischer Umgebung befinden, d.h., die Au√üenluft ist durch Gas oder anderes verseucht, wird diese Luft √ľber diverse Filteranlagen geleitet und sie w√ľrde nur ins Innere des Schiffes gelangen, wenn sie komplett gereinigt ist. Diverse Gasdetektions‚Äď und Gas√ľberwachungsanlagen k√∂nnen Art und Zusammensetzung der umgebenden Luft bzw. des Schadstoffes analysieren. Ebenso ist das Schiff explosionssicher, selbst wenn explosive Au√üenatmosph√§re vorhanden ist, kann diese bei einem m√∂glichen Eintritt in das Schiff nicht einmal dann etwas anrichten, wenn sie in den Motorraum oder auf hei√üe Aggregate trifft.

Wir besichtigten anschlie√üend die Messe und die Komb√ľse (blitzesauber obwohl gerade das Abendessen vorbereitet wurde....), bevor es mehrere Treppen aufw√§rts zur Br√ľcke ging. Dort empfing uns der Kapit√§n und erkl√§rte sehr ausf√ľhrlich die vorhandenen Anlagen. So sind in Fahrtrichtung zum Bug drei von vielen Schaltpulten und Monitoren umgebene Arbeitspl√§tze vorgesehen, in der Mitte der des Steuermannes, links der des Kapit√§ns und rechts der des 1. Offiziers. Hinter diesen Arbeitspl√§tzen befindet sich der Kartentisch. Ein weiterer Arbeitsplatz ist f√ľr Computert√§tigkeiten, Internetanschlu√ü und Emailversand vorgesehen, daran anschlie√üend gibt es einen kleinen Besprechungstisch. Dann gibt es ein komplettes Funkerboard mit Flugfunk und s√§mtlichen m√∂glichen Funkverbindungsarten.

Da das Schiff m√∂glicherweise unter Abschottung von der Au√üenwelt arbeiten mu√ü, sind keine Br√ľckennocken vorhanden, es befinden sich aber auf beiden Seiten der Br√ľcke im Inneren noch Steuerst√§nde. Au√üerdem gibt es einen Arbeitsplatz, von dem aus die Winde auf dem Achterdeck sowie die √Ėlskimmer bedient werden.
Dieses Schiff kann sich in jede Richtung bewegen, ohne den Bug dorthin zu richten! Es kann also komplett seitwärts oder schräg nach achtern fahren, ohne seine Lage zu verändern.
Die Br√ľcke ist komplett bis an den Boden verglast, was einen ungehinderten Blick auf Schiff und Umgebung zul√§sst, allerdings sollte man dabei schwindelfrei sein.

Das Schiff hat eine Regelbesatzung von 16 ‚Äď 18 Leuten (manchmal sind Auszubildende dabei), im Schadensfall k√∂nnen bis zu 34 Personen zus√§tzlich mitgenommen werden (Spezialisten, Feuerwehrleute etc.)

Anschlie√üend ging es drau√üen an der Vorderseite der Br√ľcke wieder auf steilen Treppe nach unten, und nach dem langen Weg √ľber das Dock hatten wir endlich wieder festen Boden unter den F√ľ√üen. Warum finden die Schiffsbesichtigungen des MTV eigentlich immer im Dunkeln und meistens noch bei Regen statt?????
 

An Deck
Kapitän
Maschine...
Funkerarbeitsplatz
Auf der Pier
Seitenfahrstand
Kommandozentrale
Seitenansicht....

Technische Daten:

L√§nge √ľ.a.                                                         78,91 m
Breite a. Spt.                                                   18,00 m
Tiefgang max.                                                    5,79 m
Tiefgang als Tonnenleger
und Eisbrecher                                                   5,00 m
BRZ                                                                    3422 BRZ
Verdr√§ngung                                                    5110 t
Geschwindigkeit max.                                           15 kn

Dieselelektrischer Antrieb:
Antriebsleistung der beiden
Ruderpropeller max.                                  2 x 2900 kW
Antriebsleistung des Bugjet max.                   2600 Kw
Pfahlzug                                                           113,5 t
Baukosten rd.       
                                      80 Mio DM
 

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